Editorial

veith Editorial

Hallo, liebe Geborgenheitssucher,

um dem Schleier der Internet-Anonymität entgegen zu treten, habe ich mich entschlossen, mein Leben vor der Web-Gemeinde zu offenbaren. Ich heiße mit Vornamen Veith. Veith ist eine Form des Namens Vitus, was lateinisch für „Leben” ist. Und das entspricht auch der Wahrheit, denn ich bin am Leben! Wäre dem nicht so, würden diese Zeilen euch, liebe Leser, auch gar nicht erreicht haben.

Aufgewachsen bin ich im russischen Nordnowgorod als Sohn deutscher Exilkommunisten, denen das Regime unter Ulbricht nicht konsequent genug war. Schon früh musste ich erfahren, was Diskriminierung wirklich bedeutet, denn Klapp mit Nachnamen zu heißen, ist in der Region zwischen St. Petersburg und Moskau ein wirklich hartes Brot gewesen. Sogar noch härter, als die Kanten, die es dort rationiert vom Bäcker gab. Vielleicht saßen die Narben vom Zweiten Weltkrieg einfach zu tief.

Nach über 25 Jahren im russischen Exil, ich feierte gerade meinen 15ten Geburtstag, wanderten meine Eltern wieder zurück nach Deutschland, wo ich mich noch immer aufhalte. Aber auch hier wurde ich nicht mit Toleranz überhäuft, denn meine Mitmenschen sehen zuerst den Russen in mir, bevor sie mich als menschliches Wesen wahrnehmen.

Die „Grillratte” soll deshalb ein Zeichen für die Toleranz setzen, ein Bollwerk gegen die menschliche Kälte, die hier draußen herrscht. Diese Seite will etwas bewegen. Sie soll die Menschen zusammenrücken lassen, ihren Eispanzer schmelzen und eine Zuflucht all jener werden, die ähnlich fühlen wie ich.

Allerdings muss selbst ich ein paar kleine Zugeständnisse an die selektive Kollektivbildung machen: Diese Seite ist zwar frei für jedermann zugänglich, sollte aber doch lieber nur von einem volljährigen Publikum besucht werden. Einiger Inhalt ist vielleicht nicht für Kinderaugen bestimmt.

Und um das typische Warnschild für die Leute anzubringen, denen der Humor in all den Lebensjahren abhanden gekommen ist, sei hiermit versichert, dass Satire sich eine ganze Menge herausnehmen darf – und es hiermit auch tut.

Euer Veith

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